Kurioses und Absurdes von Ärzten, Patienten und anderen Personen

Wir leben in einer verrückten Zeit. Gott sei Dank ist sie verrückt und nicht brutal wie in anderen Ländern oder früher auch bei uns in Mitteleuropa. Uns geht es so gut, dass man vor Staunen nur den Kopf schütteln und sich wundern kann über die nahezu paradiesi-schen Zustände, die bei uns herrschen.Wer von uns möchte denn gern auf Dauer in einem anderen Land als Deutschland leben, aber auch mit den dortigen Verdienst- und Rentenbezügen, der dortigen Infrastruktur, dem Wetter, der Kriminalität usw., usw. ?

Und trotzdem gibt es bei uns Probleme, die nicht gelöst sind und die uns schwer zu schaffen machen. Die größten Probleme sind die Respektlosigkeit und die Gier. Es geht uns so gut und wir sind trotzdem nicht zufrieden. Wir wollen immer noch mehr. Dabei nehmen wir auf unsere Mitmenschen oft wenig Rücksicht. Egoismus ist für uns wichtiger als das Wohl der Gemeinschaft. Man kann aber nur in einem Bett schlafen, zu einer Mahlzeit nur einmal essen und auch nur in  einem Auto fahren. Und wir haben auch nur eine Gesund-heit, von der wir erwarten, dass sie mit ganz wenig Pflege ewig halten muss.

So will ich mit dem Kuriosen und Absurden bei den Ärzten anfangen, ohne dass mein Bericht auch nur annähernd vollständig sein wird. Dazu habe ich viel zu wenig gelesen, mitbekommen oder recherchiert.

1)Kürzlich wurde aufgedeckt, dass in der Transplantationsmedizin mit Organen gehandelt wurde. Patienten, die eigentlich noch nicht an der Reihe waren, wurden vorgezogen (möglicherweise aus finanziellen Gründen). Derartige Unregelmäßigkeiten gab es an verschiedenen Kliniken.

2) Die Zahl der Knie-Endoprothesen hat sich innerhalb von sieben Jahren um stattliche 52 Prozent vermehrt. Eine derartige Knie-operation bringt ca. 7.500 Euro. Für diesen Betrag bei einem einzelnen Patienten muss mein Sohn als sehr gut ausgebildeter Internist in seiner Hausarztpraxis ca. 44 Jahre arbeiten. Denn er erhält pro Patient nur 42 Euro im Quartal. Dafür darf er bis auf Impfungen und einige geringfügige Sonderleistungen für einen Patienten das ganze Quartal tätig sein. Da die Zahl der notwendigen Operationen in jedem Jahr etwa gleich bleibt, kann nur der enorme Verdienst die Ursache der gehäuften Operationen sein.

3) Die Zahl der Implantation von sog. Intracardialen Defibrillatoren (ICD) ist in Deutschland sehr hoch, in den Jahren 2007 bis 2009 ca. 21.500 Operationen pro Jahr. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. Die Operationshäufigkeit in einigen Kreisen in Thürin-gen, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern liegt 7,5-mal höher als in anderen Kreisen. Jede Operation mit Vor- und Nachbehandlung bringt zwischen 27.000 und  60.000 Euro. Es handelt sich also um ein sehr lukratives Geschäft, das natürlich Begehrlichkeiten wecken kann. Dabei weiß ich als Arzt natürlich auch, dass diese Operation immer wieder Leben rettet, besonders bei Herzrhythmus-störungen und Herzstillstand. Es geht dabei nur um die Ausweitung dieses Eingriffs und die extremen regionalen Unterschiede.

4) Die Zahl der neurochirurgischen Abteilungen bzw. der niedergelassenen Neurochirurgen hat sehr stark zugenommen. Diese Ärzte operieren hauptsächlich Bandscheibenvorfälle. Im Kreis Fulda, in dem ich lebe, gab es vor 20 Jahren eine neurochirurgische Abtei-lung. Jetzt gibt es zusätzlich zu der Klinik noch acht ambulant tätige Neurochirurgen, die aber auch operieren. Sind die Deutschen in diesen zwei Jahrzehnten so viel kränker geworden? Vermutlich nicht. Aber die Operationen werden sehr gut bezahlt. Deswegen ist diese medizinische Spezialität interessant für Krankenhäuser und ambulant tätige Ärzte.

5) Auch in der Naturheilkunde ist nicht alles in Ordnung. So haben wir eine Patientin gehabt, die innerhalb von drei Jahren wegen einer angeblichen Borreliose über 40.000 Euro an einen Arzt gezahlt hat. Es ging ihr danach trotzdem nicht besser, weswegen sie auch in unsere Behandlung gekommen ist.

6) Im Jahre 1948 gab es in den Westzonen, der späteren Bundesrepublik, ca. 2.000 Herzinfarkte. Im Jahre 1970 bei etwa gleicher Bevölkerungszahl aber ca. 140.000, also eine Steigerung am 7.000 Prozent. Das hing mit der Veränderung der Ernährung, Bewe-gungsmangel sowie mehr Nikotin und Alkohol zusammen. Warum aber klärt über diese Zusammenhänge niemand auf, kein Arzt, kein Politiker, keine Krankenkasse? Auch über die Medien erfährt man davon nichts. Dabei sind das extrem wichtige Zahlen in Bezug auf Prävention und Krankheitsvermeidung.

Das sollte fürs Erste genug von den Ärzten sein. Gehen wir zur zweiten Gruppe, den Patienten:

1) In Deutschland wurden im Jahre 2010 ca. 59 Millionen Schweine geschlachtet und vermutlich auch gegessen. Wenn man von der Gesamtbevölkerung mit ca. 82 Millionen alle Kinder bis zehn Jahre und Muslime abzieht, dann kommt man fast auf ein Schwein pro Person und Jahr.

2) Ich kenne einen kleinen Ort mit einer Gastwirtschaft, die so bekannt ist, dass die Besucher auch aus 50 km Entfernung zum Essen dorthin fahren. An sonnigen Sommerwochenenden werden dort bis zu 1.000 Portionen Hähnchen verkauft. Da es sich um Hähnchen aus Massentierhaltung handelt, kann man davon ausgehen, dass bei diesen Tieren 96 Prozent mit Antibiotika-Rückständen gefunden werden können. Erst im Frühjahr 2012 wurde durch eine große Untersuchung in Nordrhein-Westfalen diese erschreckend hohe Be-lastung festgestellt. Aber die Verbraucher stört das nicht, denn das Essen ist preiswert und schmackhaft. Dass es vermutlich nicht besonders gesund ist, spielt anscheinend keine Rolle.

3) Die Zahl der Diabetiker hat in den letzten zehn Jahren um 49 Prozent zugenommen. Die Gesundheitsbehörden rechnen mit einer Verdoppelung der Zahl der Diabetiker in Deutschland bis zum Jahr 2020. Dabei ist der Diabetes in den meisten Fällen die Folge einer Fehlernährung, also weitgehend selbstverschuldet. Es gibt inzwischen bereits zehnjährige Kinder mit Altersdiabetes. Die Kosten, die durch diese Erkrankung entstehen, steigen fast ins Unermessliche, vor allem durch die Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Amputationen und Blindheit.

4) Die Zahl der unehelich geborenen Kinder nimmt weiter zu, in manchen Gegenden Deutschlands sind es schon zwei Drittel aller Neugeborenen? Die Familie hat anscheinend ausgedient. Man möchte wohl lieber allein erziehend sein oder in einer „Patchwork-Familie“ leben. Es ist unglaublich, was sich auf diesem Gebiet in den letzten Jahrzehnten geändert und wie stark das Familienbewusst-sein abgenommen hat.

5) Laut Angaben der Statistiker geht ein Erwachsener in Deutschland am Tag ca. 850 Meter. Dabei sind angeblich die Sportler schon mit eingerechnet. Ein sechsjähriges Kind legt aber am Tag ca. 12 bis 15 km zurück. Kinder in diesem Alter sind meistens recht gesund, während die meisten  Erwachsenen schon Störungen haben oder gar krank sind. Es ist bekannt, dass Bewegung ein guter Schutz vor Krankheiten ist. Aber anscheinend ist es für die Menschen nicht so wichtig, gesund zu bleiben.

6) Laut „Stern“ vom 10.1.2013 ist der Taillenumfang deutscher Frauen zwischen 1994 und 2009 um 4,1 cm gewachsen. Ungefähr 60 Prozent der Frauen und 75 Prozent der Männer über 25 Jahre sind übergewichtig. „Deutschland wächst in die Breite“ titelten die Zeitungen im Sommer 2012. Können wir Bürger die Verantwortung dafür auf irgendjemand abwälzen?

Auch bei den Krankenkassen gibt es manches Absonderliche:

1) Eine 80jährige Privatpatientin wurde an einem Carcinom operiert, das aber nicht völlig entfernt werden konnte. Deswegen und wegen ihres hohen Alters schlug man ihr eine stationäre Chemotherapie und Bestrahlung über ca. sieben Wochen vor, Gesamtkosten nicht unter 50.000 Euro. Die Patientin kam zu uns und wurde ambulant behandelt. Nach einigen Monaten war von dem Restkrebs nichts mehr zu entdecken. Die Kosten bei uns beliefen sich auf rund 4.000 Euro innerhalb von fast drei Jahren. Die Kostenübernahme wurde aber von der Krankenkasse abgelehnt, da unwissenschaftliche Methoden angewandt worden waren. Die Proteste der Patientin und meine Einwendungen wurden abgelehnt. Die Patientin lebt heute, fünf Jahre später, immer noch krebsfrei.

2) Genauso geht es einer Vielzahl unserer Patienten, denen zwar mit Naturheilkunde offensichtlich sehr gut und preiswert geholfen wurde, denen aber wegen der sog. Unwissenschaftlichkeit der Behandlung eine Kostenerstattung verweigert wird. Das betrifft nicht nur Patienten in den gesetzlichen Krankenkassen, sondern zunehmend auch Privatpatienten.

3) Grotesk ist eine Geschichte, die ich selbst mit der BEK (Barmer Ersatzkasse) erlebt habe. In meinem letzten Quartal als Kassenarzt (danach musste ich die Kassenpraxis wegen Erreichen der Altersgrenze zwangsweise abgeben) erhielt ich von der BEK einen Re-gress über 120 Euro. Ich hatte zwei schwerst-kranken Krebspatientinnen das Präparat „Selen“ verordnet, ohne vorher durch eine Blutuntersuchung einen Mangel festgestellt zu haben. Seit Jahrzehnten wird in der Weltliteratur ständig auf einen erheblichen Selen-mangel bei fast allen Krebspatienten hingewiesen. Im guten Glauben an die Bedeutung der Weltliteratur hatte ich meinen Patien-tinnen dieses Medikament verschrieben. Meine diesbezüglichen Einsprüche gegen den Beschluss der BEK und der damit verbun-denen Kommission, in der zur Hälfte auch Ärzte saßen, nützte nichts. Auch von einer Beschwerdekommission wurde ich abgewiesen. Dabei hatte ich der BEK im gleichen Zeitraum etwa 1.800 Euro dadurch eingespart, dass ich viele weniger schulmedizinische Medikamente verordne als der Durchschnitt meiner Fachgruppe.

4) Ärzte werden heute nicht mehr Ärzte genannt, sondern „Leistungserbringer“. Dem „Arzt“ wird nämlich von den Patienten noch viel Vertrauen entgegengebracht, dem „Leistungserbringer“ aber nicht. Der Arzt mit seinem sehr verantwortungsvollen Beruf soll damit abgewertet werden. Er wird auf die Ökonomie, die kostensparende Patientenbetreuung reduziert. Aus diesem Grunde wird die Büro-kratie extrem ausgeweitet. In den Praxen ist der bürokratische Aufwand schon enorm. In den Krankenhäusern aber verbringen die Ärzte ca. ein Drittel der Zeit mit dem Ausfüllen von Formularen und Anträgen. Dass den Ärzten dabei für ihre Patienten viel weniger Zeit übrig bleibt, ist für die Kassen völlig unwichtig. Hauptsache, es wird irgendwo etwas gespart, auch wenn dadurch im Endergebnis vieles teurer geworden ist.

Zum Schluss dieses Artikels wollen wir uns aber auch den Politikern zuwenden:

1) Deutschland leidet an Geburtenmangel. Darüber wird seitens der Politik ständig geklagt. Andererseits gibt es pro Jahr über 170.000 Abtreibungen, sog. Schwangerschaftsabbrüche, die von den Krankenkassen, also vom Beitragszahler, bezahlt werden. Es ist ein Riesen-skandal, um den sich aber kaum jemand kümmert, auch die Kirchen nur sehr zaghaft. Abtreibung ist Kindesmord, auch wenn das Kind noch nicht außerhalb des Mutterleibs gelebt hat. Selbst die CDU mit dem „Christ“-Zeichen im Parteikürzel hat gegen dieses Verbrechen bisher nichts unternommen.

2) Die Entfernung der Naturheilkunde aus der gesetzlichen Krankenkasse wurde 2003 von der damaligen SPD-Ministerin Ulla Schmidt und ihrem CSU-Mitstreiter Horst Seehofer, z.Zt. Ministerpräsident in Bayern, durchgesetzt. Dass sie damit dem deutschen Volk weit mehr geschadet als genützt haben, war ihnen sicherlich egal. Sie wollten nur einige kleine nackte Zahlen präsentieren, dass im Gesundheitswesen gespart werden kann. Leider war es die falsche Stelle. Denn dadurch wird auf Dauer viel mehr Geld ausgegeben, als durch die geringen Ausgaben für Naturheilmittel  und  -methoden eingespart werden kann.

3) Die Massentierhaltung ist ein weiteres übles Kapitel, das den Politikern angekreidet werden muss. Ein Masthähnchen lebt auf einem Platz von 50×50 cm etwa 32 Tage bis zur „Schlachtreife“. Damit keine Seuchen in den Ställen ausbrechen, müssen Antibiotika gegeben und Impfungen durchgeführt werden. Die Tiere leben in einem „Konzentrationslager“, erhalten eine Schnellmast, mit der sie in den gerade genannten 32 Lebenstagen ein Schlachtgewicht von zwei Kilogramm erreichen, nur damit wir Verbraucher sie billig kaufen und essen können. Und wir freuen uns noch über den niedrigen Preis.

4) Nicht anders geht es den Mastschweinen, die auf einer Fläche von 50×80 cm bis zur „Schlachtreife“ vegetieren müssen. Auch sie werden im Schnellverfahren gemästet, denn „Zeit ist Geld“. Es ist eine Schande für uns, die wir doch ein entwickeltes Kulturvolk sein wollen. Das alles wird nicht nur von uns Normalbürgern, sondern auch von den Politikern geduldet. Sie wollen sich nicht mit dem mächtigen Bauernverband anlegen.

5) Im Jahre 2008 wurde der „Weltagrarbericht“ veröffentlicht. Im Auftrag der UNO und 60 Regierungen weltweit hatten über 500 Experten in mehrjähriger Arbeit eine Übersicht über Nahrungsmittelproduktion und –verbrauch herausgegeben. Dabei wurden sehr interessante Zahlen veröffentlicht. Die Weltjahresproduktion an Nahrungsmitteln würde für die Versorgung von 14 Milliarden Men-schen reichen. Es leben auf der Erde aber nur sieben Milliarden, von denen eine Milliarde hungert. Die Nahrungsmittel sind also ungleich verteilt.

Rund 18 Prozent der Nahrungsmittel werden zur Fleischerzeugung verwandt. Weitere 18 Prozent benötigt man in der Industrie, z.B. zur Herstellung von Biotreibstoff. Und nochmals 18 Prozent werden einfach vergeudet, sie verfaulen oder werden weggeworfen. Nur 46 Prozent der Nahrungsmittel erreichen die Menschen. Warum liest und hört man aber kaum etwas von diesem Weltagrarbericht, der wirklich wichtig und aufschlussreich ist und zusätzlich für viele Menschen lebensrettend wäre? Vermutlich ist es nicht erwünscht, dass die Ergebnisse bekannt werden. Denn dann müsste vieles geändert und die Interessen mancher Gruppen geschmälert werden. Auf jeden Fall ist die fehlende Veröffentlichung ein Skandal, der nicht nur die Politiker, die den Bericht sicherlich kennen, sondern auch die Medien betrifft. Es könnte allen hungernden Menschen geholfen werden, wenn man die Empfehlungen dieses Berichtes umsetzen würde.

Doch genug der Litanei. Wir als einzelne Bürger sind gefordert. Wir können die Welt nicht ändern, wir können aber unser Verhalten ändern. Also fangen wir doch heute an, uns möglichst optimal zu verhalten, im Essen, in der Bewegung, im Denken und in unseren Gefühlen. Je mehr Menschen sich dieser Bewegung anschließen, desto mächtiger werden wir. Man wird uns belächeln und später auch bekämpfen.

Wenn wir aber konsequent bleiben, uns nicht beirren lassen, freundlich und sicher unseren Weg gehen, dann wird die Welt jeden Tag ein kleines Bisschen besser. Das sollte unser Ziel sein: Jedem Tag die Möglichkeit zu geben, der Beste in unserem Leben zu sein. Aus vielen kleinen Schritten kann eine große Bewegung werden. Wir sollten die Gier bekämpfen, vor allem bei uns selbst, und allen Lebewesen, auch den Tieren, unseren Respekt erweisen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie hier: Kurioses_von_Arzten__Patienten_und_anderen